Selfie-Sucht = Narzissmus?

Was ist Narzissmus überhaupt?

Wie so ziemlich bei allem, weiss Wikipedia zum Thema Narzissmus auch Bescheid: „Grundsätzlich ist ein psychogenetischer Narzissmus-Begriff (Narzissmus als notwendige Entwicklungsstufe und normales allgegenwärtiges Phänomen) von dem geläufigeren, diagnostisch verwendeten, negativ im Sinne einer Fehlentwicklung konnotierten Begriff zu unterscheiden. Im letzteren charakterpathologischen Sinne verstand Freud unter Narzissmus die Libido, die auf das eigene Ich gerichtet ist, anstatt auf ein Objekt. Dies führe zu einer Charaktereigenschaft, bei der ein geringes Selbstwertgefühl durch übertriebene Einschätzung der eigenen Wichtigkeit und den großen Wunsch nach Bewunderung kompensiert werde. In dieser Tradition des Begriffsverständnisses bezeichnet Narzissmus die im Zeichen einer Ethik der Reife[2] zu überwindende Entwicklungsphase, die durch genitale, ödipalisierte Objektsexualität abzulösen ist.“

Häääääää?

Selfie in der Gruppe

So ging es mir auch. Weiter unten wird es dann etwas klarer: „Umgangssprachlich haften dem Wort “Narzissmus“ meist negative Bedeutungen an. Im Alltagsverständnis ist ein Narzisst ein Mensch, der sich sehr auf sich selbst bezieht und dabei andere vernachlässigt.“ Damit kann man vielleicht schon etwas mehr anfangen. Vernachlässige ich also andere zu sehr, wenn ich ein Selfie schiesse? Oftmals trifft man ganze Gruppen an, die sich per „Deppenzepter“ mehr oder weniger intelligent ablichten. Hier denkt der Knipser zwar sicher schon an sich (er will nämlich mit aufs Bild), aber irgendwie wenigstens auch an die Gruppe.

Selfie des Einzelnen

Tatsächlich gibt es hierzu eine Studie der Ohio State University. Und wer hätte das gedacht? „Jemand, der häufig Selfies von sich macht und in soziale Netzwerke stellt, ist selbstverliebt.“

Wie die faz über diese Studie berichtet, kann man aber daher noch lange nicht jeden als Narzissten bezeichnen. Wer seine Bilder aber auswählt und gg. bearbeitet, muss wenigstens nicht Angst haben, psychopathisch zu sein. Auch die psychopathischen wollen sich selbst sehen, sind aber so impulsiv, dass Sie sich keine Zeit mit der Auswahl und Bearbeitung der Bilder nehmen.

Und was lernen wir daraus, ausser dass aus allem und sei es noch so klar, eine wissenschaftliche Studie gemacht werden muss? Mass halten ist angesagt. Mit der Anzahl meiner Selfies bin ich glaube ich noch auf der sicheren Seite. Nach meinen letzten Ferien scheint es mir tasächlich nicht unmöglich, dass zumindest vereinzelt die abnehmende Bereitschaft auf andere zuzugehen oder ihnen zu vertrauen, mit ein Grund für den Selfie-Boom ist. Ich habe einige angesprochen, die sich besonders abmühten und angeboten ein Foto für Sie zu schiessen. Es wurde immer angenommen, aber teilweise wurde ich recht verwundert angeschaut.

Nicht allen fällt das Mass halten allerdings leicht, wobei die Grenze jeder für sich selbst ziehen muss. Für mich ist sie in jedem Fall bei Selfies mit Bären und auf Beerdigungen überschritten.

Zuviel Selfies lenken vom eigentlichen Geschehen in der Umgebung ab und sind gefährlich. Ganz ehrlich, wem von uns verzieht es bei dem folgenden kurzen Film vor Schadenfreude nicht doch zumindest leicht die Mundwinkel?

1 Gedanke zu „Selfie-Sucht = Narzissmus?

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